Im Spätsommer 1961 gelang es Ferdl Brutscher den bei der Bundeswehr in Sonthofen eingezogenen Golf-Pro Kugelmüller einmal wöchentlich frei zu bekommen, damit die ersten Mitglieder die ersten Golfstunden nehmen konnten.
Bei der Entstehung des Golfplatzes und Gründung des Golfclubs Oberstdorf e.V. 1961 ist der Name Ferdinand Brutscher sen. die Schlüsselfigur. Alle Kontakte, das ganze Gerenne am Anfang, er war es, der während eines Kuraufenthalts in Lindau am Bodensee den Kurarzt Dr. Manzmann kennenlernte.
Im GC Lindau-Bad Schachen wurde schon ein paar Jahre Golf gespielt, Ferdinand Brutscher sen. war angetan vom Platz und der Sportart und „beorderte“ seinen Sohn Ferdl nach Lindau, dass er sich darum kümmere, ob, wie und wo man im heimischen Oberstdorf denn auch „so etwas“ verwirklichen könne.
Ferdl Brutscher, zu dieser Zeit ein junger, vielbeschäftigter Architekt in der Aufbauphase seines Betriebs, hatte zunächst wenig Verständnis für das Anliegen seines Vaters. Außerdem schien ihm seine körperliche Behinderung (er hatte nur einen Arm) Grund genug, sicht nicht mit diesem Sport zu befassen. Das sah der damalige Lindauer Golflehrer Görnert jedoch überhaupt nicht so. Er ließ Ferdl auf der „Driving Range“ den ersten Golfball schlagen und siehe da: der erste Versuch war ein echter Erfolg. Ein Holz 5 war seinerzeit die „Wunderwaffe“ von Ferdl.
Nun gut, auch bei Ferdl Brutscher hatte der Funke gezündet, doch zurück in Oberstdorf stellte sich bald die große Ernüchterung ein: keine Zeit, kein Geld, kein Gelände - zudem war in diesen 60er Jahren die Lage der Landwirtschaft in und um Oberstdorf noch recht gut. Die landwirtschaftlichen Flächen wurden gebraucht und genutzt. Wie ging es weiter? Senior Ferdinand Brutscher lernte den Golfplatzarchitekten Görtz kennen. Dieser wurde nach Oberstdorf eingeladen, man fuhr stundenlang durch und um den Ort, sogar bis auf die Seealpe hinauf, ein geeignetes Gelände schien nicht dabei zu sein. Dann, beim Mittagessen, die Idee: in die Gebrgoibe zu Marie Huber. Diese betrieb dort eine kleine Landwirtschaft mit einem Café für Wanderer und Gäste. Die Geländebesichtigung dort war erfolgreich! Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, geeignet für einen 9-Loch-Platz - es würde zwar kein Turnierplatz werden, aber ein Gästeplatz in herrlicher Landschaft, kupiert von der Natur allein.
Die Grundstücksverhandlungen waren anfangs schwierig, neben Marie Huber gab es noch weitere 14 Grundbesitzer, die ihr Gelände im Falle eines Platzbaus mitverpachten sollten. Marie Huber und ihre beiden Söhne sollten neben der Gastronomie auch noch in andere, neue Tätigkeiten am Platz mit eingegliedert werden, z.B. sollte ihr Sohn Alfred eigentlich der erste Golflehrer des neuen Clubs werden.
Gegründet wurde der Golfclub Oberstdorf e.V. am 18. März 1961 im Hotel Sonne in Oberstdorf mit den damaligen Gründungsmitgliedern und erstem Vorstand in der Folge der damaligen Unterschriften auf der Satzung:
Der Golfclub Oberstdorf ist gegründet, die Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Sonthofen erfolgte bereits am 30. Mai 1961. Aber: Club war da, Gelände war da, Geld war nicht da und niemand hatte damals Geld! Und natürlich die Frage: wer macht jetzt eigentlich was?
Die ersten Pachtverträge machten anfangs nur die Familien Brutscher. Nach zwei Jahren wurden diese auf den GC Oberstdorf übertragen. Aber jetzt wurde ein Golfplatzarchitekt gebraucht. Wo konnte man diesen finden? Glücklicherweise lernte Ferdl Brutscher bei einem Aufenthalt in Lugano den renommierten Golfplatz-Architekten Donald Harradine kennen. Er berichtete ihm von der Ausgangssituation in Oberstdorf. Die Aussage „wunderschöner Platz“ genügte Harradine, sodass er sein Kommen ins Allgäu zusagte und tatsächlich loslegte. Er schien sich in Oberstdorf wohl zu fühlen und die Herausforderung in den Bergen einen Golfplatz zu bauen, war für den Schotten echtes Neuland. Die Herren Brutscher legten fleißig mit Hand an, es gibt Fotobelege wie der Senior selbst den Aufbau der ersten Grüns bewerkstelligte. Der Maschinenpark des Familien-Baugeschäfts war ihm dabei eine große Hilfe und teilweise rückten gewaltige Gerätschaften an. Ferdl Brutscher lernte viel über Platzpflege, das Greenkeeping war zunächst seine Aufgabe, tatkräftig unterstützt von italienischen Platzarbeitern die Harradine vermittelte und die teilweise ihr Arbeitsleben lang in Oberstdorf blieben.
Es sollte auch nicht vergessen werden, dass es in den 60er Jahren in Oberstdorf eine Reihe guter Bauherren gab, die sich beim Golfplatzbau als erste Sponsoren engagierten. Über freundschaftliche und private Kontakte zu Mitgliedern der Golfclubs in Lindau, Feldafing, Garmisch und Innsbruck entstand ein Netzwerk von Hilfe und Unterstützung, sodass der Platz in der Gebrgoibe langsam aber sicher einem richtigen Golfplatz entsprach. Die neuen Golffreundschaften wurden gepflegt und das Clubleben des GCO erhielt dadurch immer wieder sportliche und gesellschaftliche Impulse, die für seine Entwicklung von großer Bedeutung waren.
Immer wieder wurde auch über eine Erweiterung auf 18 Löcher nachgedacht, verwirklicht wurde es aber nicht. Und das ist gut so. So wie er ist, wie er immer war, so schätzen und lieben Einheimische und Gäste den Platz in der Gebrgoibe. Unverändert sein Charme und sein gigantisches Naturerlebnis, das damals ohne große Erdbewegungen einfach da war und alle, die ihn bespielen, einfach fasziniert.